Falsche Freunde

Thomas , 22 Jahre Jahre  //   01.07.12
Foto: Gerd Altmann / pixelio.de

Als Grundschüler wurde ich von meiner Mutter oft zum Gottesdienst und zur Kinderstunde mitgenommen. Mit vielen altmodischen Ansichten oder Ritualen konnte ich wenig anfangen. Irgendwie war ich nicht so fromm, wie die anderen “Christenkinder”.

Ich bin in einem Neubaugebiet einer Großstadt aufgewachsen, wo die Zugehörigkeit zu einer starken Clique sehr wichtig war. Ich hinterfragte weder mich, noch meine Freunde, warum wir “rechts” waren, Hauptsache war, das wir stark waren. “Wenn dich jemand blöd anmacht, dann sag Bescheid, wir klären das schon für dich.” so lud mich ein älterer Freund in die Gruppe ein. Ich war auch manchmal dabei, wenn es darum ging “etwas zu klären”.

Als wir an einem Herbsttag draußen herum hingen, zückte ein Freund eine Flasche hochprozentigen Alkohol. Obwohl ich damals noch keine Erfahrungen mit Alkohol hatte, hatte ich die Wette, die Flasche auf ex zu leeren kann, nicht ausgeschlagen. Noch bevor die Flasche leer war, trat die Betäubung ein. Meine “Freunde” machten sich einen Spaß aus meinem Zustand und warfen meine Schuhe zweimal über den Zaun. Einmal konnte ich noch drüber klettern und sie wiederholen. Beim zweiten mal, konnte ich schon nicht mehr gerade laufen. Ich erinnere mich, wie eine Freundin noch sagte, sie sollen aufhören, mich noch so zu schikanieren. Der Typ mit der Flasche meinte auch, ich solle etwas Mundspray nehmen, damit meine Eltern nicht merken würden, dass ich Alkohol getrunken habe. Als ich dankbar meinen Mund öffnete sprüht er mir Parfüm in den Mund. Ab dann erinnerte ich mich nur an Bruchstücke.

Ich wurde am späten Abend mit einer Körpertemperatur von 32 °C und Alkoholvergiftung im Gebüsch in der Nähe der Straßenbahnhaltestelle gefunden und ins Krankenhaus geliefert. Meine “Freunde” hatten mich nach hause geschickt und dachten, dass ich schon irgendwie ankommen werden. Als ich wieder in der Schule war, wurde mir angeboten, das Video zu sehen, auf dem ich von der Haltestelle Richtung nach Hause gerollt bin und im Busch liegen blieb. Anstatt mir zu helfen, war ihm die Belustigung an meinem “Fast-Tod” wohl lieber. Natürlich war ich Verantwortlich für meine Trunkenheit. Diese Schuld kann ich niemandem zuweisen. Doch wie gehe ich weiter mit meinem Leben um?

“Ein Nazi mit Bibel? So was würde ich gern öfters sehen.” begrüßte mich mein Cousin freundlich lächelnd als ich mit meiner alten Kinderbibel seid sehr langer Zeit mal wieder zum Gottesdienst kam. Er lud mich zur Jugendstunde ein, zeigte mir, wie man Klavier spielt und spendierte mir so manchen Döner und Heimfahrten und interessierte sich für mein Leben. Ich spürte eine übermenschliche Attraktivität und Ausstrahlung, die mich faszinierte und anzog. Etwa nach 3 Monaten war ich auch soweit, dass ich verstand, dass ich zu Gott kommen kann und ein neuer Mensch werden kann. Ich gab Gott mein Versagen und meine Schuld ab. Ich wusste nicht, ob ich auch so ein frommer Christ werden muss, oder was diese Entscheidung für mich bedeuten würde, aber ich wusste, dass ich ohne ihn nicht mehr leben wollte. Den letzten Impuls zu meiner Lebensübergabe erhielt ich durch einen Vers aus der Bibel.

Ihr aber, die ihr sagt: Heute oder morgen werden wir in diese oder jene Stadt reisen, dort werden wir ein Jahr bleiben, Handel treiben und Gewinne machen -, ihr wisst doch nicht, was morgen mit eurem Leben sein wird. Rauch seid ihr, den man eine Weile sieht; dann verschwindet er.  Jakobusbrief 4.13+14

Thomas , 22 Jahre Jahre  //